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Wozu dient eine Farbberatung?

Die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Farbberatung bringt den Auftraggebern mittel- und langfristig viele Vorteile und einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Nutzen.

1. Der Mensch im Zentrum der Gestaltung

Bei jeder Gestaltung sollte der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen. Damit die gebaute Umwelt human gestaltet werden kann, müssen die Bedürfnisse von Körper, Geist und Seele berücksichtigt werden. Dazu bedarf es eines ganzheitlichen Menschenbildes. Kenntnisse über Entwicklungs- und Lebensphasen sowie Lebensbereiche des Menschen werden in eine fundierte Gestaltungsplanung miteinbezogen.

Der Mensch orientiert sich nebst anderen Sinneseindrücken wesentlich anhand optischer Informationen. Farbe hat somit einen entscheidenden Einfluss bei der Deutung der Umwelt und auch beim Zusammenwirken mit ihr. Symbolische Botschaften und ästhetisch-atmosphärische Informationen, werden durch Farbe vermittelt. Farben wirken daher auch auf unsere Gefühlswelt, auch wenn wir sie nicht objektiv oder auf intellektueller Ebene bewusst wahrnehmen.

2. Was Farbe im Menschen bewegt

Farbe löst körperliche Vorgänge aus
Jedem Farbreiz, den wir von aussen aufnehmen, entspricht eine subjektive Reaktion in unserer Innenwelt. So nimmt Farbe Einfluss auf die kortikale Aktivierung (Hirnstromwellen), auf die Funktionen des vegetativen Nervensystems und auf hormonelle Aktivitäten im Körper. Unser ganzer Organismus wird durch die Wirkung der Farben beeinflusst. Sie verändert körperliche Vorgänge durch psycho-physiologischen und neuro-psychologischen Einfluss.

Bestimmte Farben, wie Rot, Gelb Grün oder Blau in ihrer intensivsten Eigenfarbe verursachen eine physiologisch messbare Erregung oder Beruhigung. Menschliche Reaktionen hängen aber auch von anderen Faktoren ab, wie der Intensität der eingesetzten Farbe, der Menge und Lage der Farben im Raum, der Abstimmung der Farbe auf die Raumfunktion oder der Zeitdauer, während der jemand bestimmten Farben ausgesetzt ist.

Farbe beeinflusst die Psyche
Die Farbenpsychologie befasst sich mit der Erlebnisqualität der Farben und ihrer Wirkung auf den Menschen. Aspekte der Farbenpsychologie umfassen die Art, wie Menschen Farben erleben, die emotionale Wirkung von Farben, die synästhetische Wirkung von Farben und auch die Symbolik der Farben und ihre gedankenverbindenden Wirkungen.

Der Farbberater und Designer setzt die aus der Farbenpsychologie und aus wissenschaftlichen Studien gewonnenen Erkenntnisse bei der Gestaltung von Innen- oder Aussenräumen um. Dieser Prozess wird angewandte Farbenpsychologie genannt und umfasst Aspekte der Physiologie, Psychologie, Psychosomatik, Neuropsychologie, visuelle Ergonomie und Architektur- und Umweltpsychologie.

Farbe wirkt sinnübergreifend
Synästhesie bedeutet das gleichzeitige Wahrnehmen verschiedener Sinnesempfindungen, auch Erregung eines Sinnes, der sich andern Sinnen mitteilt. So sprechen Farben nicht nur den Sehsinn an, sondern erregen aufgrund ganzheitlicher Bezüge und Mitempfindungen auch Tast-, Geruch-, Geschmack-, Temperatursinn, etc. Menschen empfinden bestimmte Farbnuancen und Farbkombinationen als warm oder kalt, hart oder weich, süss oder sauer, etc. Synästhetische Wirkungen der Farbe können beispielsweise die Wahrnehmung von Raumdimensionen beeinflussen und besondere Belastungen am Arbeitsplatz ausgleichen.

Reize richtig einsetzen
Eine gute Gestaltung ist weder reizarm (monoton) noch überladen mit Reizen (überspannt), sondern sie liegt dazwischen. Beide Extrempole können sowohl physische als auch psychische Veränderungen im Menschen hervorrufen. Konzentrationsschwierigkeiten, Ruhelosigkeit, Reizbarkeit und Wahrnehmungsstörungen sind mögliche Folgen. Weiss, Grau und Schwarz werden in der Raumgestaltung als neutrale Farbtöne bezeichnet. Bei diesen unbunten Farben stellte man negative psycho-physiologische Auswirkung in Menschen fest. Auch intensiv farbige und komplexe Muster können zu überstimulation führen.

3. Farbe im raffinierten Zusammenspiel mit Licht

Der Mensch nimmt Licht und Farbe nie getrennt voneinander wahr. Licht kommt in Form von Sonnenlicht und künstlichen Leuchtmitteln vor. Die Qualität des Sonnenlichts ändert sich während des Tagesverlaufs und löst dadurch verschiedenartige Farbempfindungen aus. Mit der unterschiedlichen Ausprägung des Sonnenlichts verändert sich auch die plastische Erscheinung des Raums, die Qualität der Farbtöne und Farbnuancen. Insbesondere bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen, ist der biologischen Versorgung des Organismus durch Tageslicht, grosse Beachtung zu schenken.

Die Planung von künstlichen Beleuchtungsanlagen darf nicht nur rein technische und vordergründig wirtschaftliche Faktoren verfolgen. Es lohnt sich, für den Einsatz von Licht, Farbe und Material ein ausgewogenes Konzept zu entwickeln. Durch den Miteinbezug physiologischer Erkenntnisse und die Gewichtung gestalterischer Aspekte, wird dem Umstand Rechnung getragen, dass geistige Beanspruchung des arbeitenden Menschen steigt und die Toleranzgrenze gegenüber Störeinflüssen sinkt.

Eine gute Beleuchtung berücksichtigt die Sehleistung, den Sehkomfort und die Farbwiedergabequalität sowie das Ambiente.

Aspekte visueller Ergonomie
Rund 90 Prozent der Sinneseindrücke werden über die Augen aufgenommen. Licht- und Sehbedingungen beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Reaktionsvermögen und allgemeines Wohlbefinden im hohen Mass. Die optimale Funktionsfähigkeit der Augen hängt von den Licht- und Raumbedingungen ab.

Das ins Auge fallende direkte und indirekte Licht bewirkt Blendung. Dies ist die häufigste Ursache von Sehbeschwerden. Die Blendempfindlichkeit nimmt mit dem Alter stark zu, weil der Glaskörper im Auge trüber wird. Es entsteht mehr Streulicht, der sich wie ein Schleier auf die Netzhaut legt und Blendung verursacht.

In einer blendfreien Umgebung bewegen sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Alterseinrichtungen häufiger und sicherer. Dies hilft Stürze und damit hohe Kosten vermeiden. Zudem werden Körper, Geist und Seele aktiviert. Dies erhöht die Selbständigkeit und selbsttätiges Handeln und lässt den Medikamentenkonsum sinken.

Leuchtdichteunterschiede und Flächenfarben
Extreme Kontraste zwischen hell und dunkel sind zu vermeiden. Hohe Leuchtdichte-unterschiede (Kontraste) verursacht eine überbeanspruchung der Irismuskeln, was zu Augenermüdungen führt. Angemessene Leuchtdichteunterschiede verhindern physiologische Ermüdungen und erhöhen die Sehleistung

Auch zu schwache Kontraste sind zu vermeiden, weil diese die Fähigkeit zur dreidimensionalen Wahrnehmung herabsetzen. Eine harmonische Helligkeitsverteilung in Innenräumen erhöht den Sehkomfort entscheidend.

Die biologische Wirkung des Lichts
Die Zusammensetzung des künstlichen Lichts ist nicht identisch mit jener des natürlichen Tageslichts. Das künstliche Licht weist Qualitätslücken in der Farbwiedergabe des gesamten Farbspektrums auf. Das Sonnenlicht reflektiert jeden Farbtonbereich des Spektrums gleichmässig und gilt als das ausgewogenste Licht für den Menschen. Sonnenlicht hat eine tiefgreifende Wirkung auf den menschlichen Organismus.

Licht wird über zwei Nervenbahnen zum Gehirn geführt. Die eine ist die Sehbahn, die das Sehen ermöglicht und die andere die energetische Nervenbahn, die die Körperchemie steuert. Somit ist Licht nicht nur da, um zu sehen, sonder regt auch Drüsen an, die die Produktion und Freigabe von Hormonen an den Körper weitergeben. Beispielsweise drosselt Licht die Produktion des Hormons Melatonin, Dunkelheit regt diese an.

Ultraviolette Strahlung wirkt physiologisch auf den Körper ein. Durch sie wird das Vitamin D2 produziert, das den Stoffwechsel von Phosphor und Kalzium fördert. Diese Strahlung verursacht auch änderungen in der Hauttemperatur, reduziert den Pulsschlag, beschleunigt den Stoffwechsel, lässt den Blutdruck fallen und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionen.

Die Infrarotstrahlung auf die Haut verursacht Gefässerweiterungen und beeinflusst die Körpertemperatur, was sich wiederum auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.

Viele künstliche Lichtquellen, im Vergleich zum Sonnenlicht, weisen unterschiedliche spektrale Zusammensetzungen auf. Untersuchungen belegen, dass standardisiertes Kunstlicht eine Einschränkung für den menschlichen Organismus darstellt. Die Langzeitwirkung von künstlichem Licht und die mehrmonatige Abwesenheit von Tageslicht, verursachten bei der Besatzung amerikanischer U-Boote Symptome, wie Schlafstörungen, Schwächung des Immunsystems, Depressionen, Herz- und Kreislaufschwächungen, Muskel- und Gelenkserkrankungen sowie Fettsucht.

4. Das Zusammenspiel von Material und Farbe

Material und Farbe sind neben Licht und der architektonischen Form die entscheidenden visuellen Einflussgrössen der Raumwahrnehmung und des Raumerlebnisses. Sie haben Ansprüche der Ergonomie, der Optik, der ästhetik, des Ausgleichs von körperlichen Behinderungen und des Gebrauchs zu erfüllen. Das Material spricht synästhetische Empfindungen an. Nebst dem Sehen werden begleitende Empfindungen wie Schmecken, Riechen, Hören und Tasten animiert. Der Mensch begreift Materialien und Raum ganzheitlich mit allen Sinnen.

Farben sind in ihrer Wirkung stets abhängig von der Verarbeitungstechnik und des Materials, auf das sie aufgetragen werden. Farbberater und Designer verfügen über eine breite Palette an Möglichkeiten, zwischen Farbflächen und Naturmaterialien, zwischen Farbauftrag und Materialoberflächen Spannungen aufzubauen und so die gewünschte Atmosphäre zu erzeugen.

Beitrag zu einer gesunden Umwelt
Bei der Wahl von Farben und Materialien ist deren Verträglichkeit für Mensch und Umwelt zu prüfen und zu beachten. Materialqualitäten sollen das Raumklima und auch das Befinden des Menschen im Raum günstig beeinflussen. Die Anwendung biologisch unbedenklicher Materialien sollte für Gebäude und deren räumlicher Ausstattung naturgemäss sein. Beim Einsatz von Farbpigmenten, Anstrichmittel, Binde-, Verdünnungs- und Lösemittel ist auf Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit zu achten.

Cham, Frühling 2013